Unsere Erfahrungen mit Luigi Guarino - Architektur und Projektleitung
- Urs Hegi
- 25. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Bauprojekte sind manchmal wie eine spannende TV-Serie: voller Wendungen, Drama und gelegentlich einer Prise Komik. Um sicherzustellen, dass alles nach Plan laufen wird haben wir einen Architekten mit guten Referenzen ausgewählt, der auf uns einen kompetenten Eindruck machte. Mit Luigi Guarino als Architekt sollte die Hausrenovation und der Anbau, den wir geplant hatten, reibungslos verlaufen. Leider haben wir uns getäuscht.
Der Beginn: Der Traum vom eigenen Haus
Alles begann mit dem Kauf unseres kleinen Häuschens. Es war alt und klein, aber hatte unserer Meinung nach Potential. Deshalb wollten wir wissen was es denn kosten würde wenn wir es renovieren und vergrössern würden. Luigi Guarino machte uns einen Kostenvoranschlag in der Höhe von 451'500.- CHF exkl. MwSt. Kein geringer Betrag, aber wir gingen davon aus, dass ein erfahrener Architekt wie Luigi weiss, wovon er spricht. Der Kostenvoranschlag enthielt zudem eine Toleranz von ±8 %, was eine maximale Abweichung von ca. 36'120.- CHF nach oben oder unten bedeutete. Das schien uns fair, und wir planten entsprechend unser Budget und freuten uns auf das Ergebnis. Beruhigt hat uns auch folgender Satz im Kostenvoranschlag: "Die Kosten für den Anbau und die Sanierung der Immobilie halten wir etwas höher, damit Sie später keine Überraschungen zum Vorschein kommen." Der Satz mag grammatikalisch nicht ganz korrekt sein, trotzdem haben wir ihn so verstanden, dass wir mit den 488‘000.- CHF (wenn wir die MwSt. noch mit einrechnen) gut durchkommen sollten. Was uns auch klar war, war die Tatsache, dass jegliche Umgebungsarbeiten sowie Arbeiten im Keller des Hauses in dieser Summe nicht inklusive waren (ausser Elektro- und Sanitärarbeiten im Keller).

Die Ernüchterung: 807‘751.- CHF
Doch wie so oft im Leben kam alles anders. Statt der kalkulierten maximalen Kosten von knapp über einer halben Million haben wir bis heute Rechnungen von 807‘751.- CHF erhalten. Eine Differenz von 280’634.- CHF – das ist nicht nur ein kleiner Ausreisser, sondern eine massive Überschreitung von fast 58 %, die uns als Bauherren dazu zwang, eine weitere Hypothek aufzunehmen. Man bedenke: Bei diesem Betrag haben wir bereits jegliche von uns verursachten Mehrkosten abgezogen.
Fehlende Budgetplanung durch den Architekten
Besonders problematisch war, dass Luigi zu keinem Zeitpunkt eine Budgetplanung für unser Bauprojekt erstellt hat, obwohl dies ausdrücklich in unserem Vertrag festgehalten war. Oder zumindest wurde uns während des Bauprojekts kein einziges mal so eine Budgetplanung zur Verfügung gestellt. Eine fundierte Budgetkontrolle hätte frühzeitig aufzeigen können, dass die Kosten aus dem Ruder laufen. Ohne diese Planung fehlte uns die nötige Transparenz, um rechtzeitig gegensteuern zu können.

Fehlende Hebeschiebetüren und Aluminiumfenster
Ein weiterer Punkt: Im ursprünglichen Kostenvoranschlag waren Fenster mit Aluminiumrahmen sowie hochwertige Hebeschiebetüren eingeplant. Die Aluminiumrahmen wurden jedoch ohne unsere Zustimmung durch PVC Rahmen ersetzt. Die Frage ist: Wie konnte dies passieren, und wer kommt für die Differenz auf?
Bauverzögerungen und eingestellte Arbeiten
Ein Bauprojekt ohne Verzögerungen ist selten – doch in unserem Fall hatten die Verzögerungen erhebliche Auswirkungen. Zusätzliche Kosten und Planungschaos waren die Folge. Im Dezember 2023 haben wir auf anraten von Luigi Guarino unsere Mietwohnung auf Ende März 2024 gekündigt. Einziehen konnten wir Anfang August 2024. Man kann sich den Stress und die zusätzlichen Kosten die dies verursacht hat vorstellen. Wir haben zwei kleine Kinder und mussten mit ihnen für 2.5 Monate in eine provisorische Zwischenlösung einziehen. Nur mit viel Glück und dem Einzug in eine halbfertige Baustelle konnten wir verhindern, dass wir mit der gesamten Familie auf der Strasse gelandet sind.
Ein Schreiben an Luigi Guarino
Wir haben Luigi am 21. Oktober 2024 ein Schreiben zukommen lassen, in dem wir unsere Perspektive darlegen und um seine schriftliche Stellungnahme bitten. Ohne auf die konkreten Zahlen einzugehen, lehnt er unsere Forderung, dass er die Verantwortung für die Budgetüberschreitung übernehmen soll, ab und schiebt die Schuld dafür auf uns und unsere Zusatzwünsche. Jegliche Versuche von unserer Seite, ein Treffen zu planen, lehnte er bis heute ab. Wie bereits erwähnt haben wir bei den obigen Zahlen alle unsere Zusatzwünsche bereits abgezogen. Wenn unser Architekt das Gefühl hat, dass wir dabei Fehler gemacht haben, ist das natürlich sein gutes Recht. Doch warum zeigt er uns dann nicht auf wo diese Fehler liegen? Warum ist er nicht bereit sich mit uns zu treffen?
Noch offene Arbeiten und fehlende Bauabnahme
Noch problematischer ist jedoch, dass Luigi seit unserem Schreiben vom Oktober jegliche Arbeiten eingestellt hat – und das, obwohl die Bauabnahme noch nicht erfolgt ist. Damit befinden wir uns in einer äusserst schwierigen Situation, da offene Mängel und ausstehende Arbeiten nicht mehr behoben werden. Dies stellt für uns einen erheblichen Nachteil dar und führt zu zusätzlichen Komplikationen. Ohne eine offizielle Bauabnahme bleibt das Projekt unvollständig und dies verursacht erhebliche Schwierigkeiten für uns. Luigi Guarino schreibt uns, dass er für uns Zusatzarbeiten verrichtet hat und dass wir diese zuerst bezahlen müssten bevor er weiterarbeitet. Um welche Arbeiten es geht und wieviel wir denn bezahlen sollten hat er uns bis heute nicht mitgeteilt.
Und wie geht es weiter?
Wir warten nun auf eine Antwort von Luigi. Ob es noch ein Happy End gibt, bleibt abzuwarten. Zumindest hoffen wir auf eine Lösung, die uns nicht im Regen stehen lässt.
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